Der in eine Grasmücke verwandelte Zaunkönig

Zu einem Titelkupfer-Gedicht Sigmund von Birkens

Hans Peter Ecker zum 60. Geburtstag

von  Hartmut Laufhütte

In den Jahren 1675 und 1679 erschienen in Frankfurt am Main die beiden Hauptteile des berühmten kunsttheoretischen und -historischen Lehrwerkes L’Academia Todesca Oder Teutsche Academie der Edlen Bau– Bild– und Malerey-Künste Joachim von Sandrarts (1606-1688), 1675, 1679 und 1680 drei Ergänzungswerke.[1]

Am Erscheinungsbild der 1675 erschienenen Teile des Werkes[2] hat der Nürnberger Dichter und Historiograph Sigmund von Birken (1626-1681) erheblichen Anteil; zu diesem und den späteren hat er überdies eine stattliche Anzahl von Gedichten beigesteuert.[3] Als Abschluß der Vorrede und Erklärung des Titelkupfers des dritten Teils des zweiten Hauptteils – das ganzseitige Bild stellt Athene / Minerva als Schutzgottheit der Wissenschaften und Künste dar – ist dieses Gedicht Birkens gedruckt:[4]

                   Die Kunstvorsteherin
                             Pallas
–            redet/ vom KupferTitelblat
–                dieses Dritten Theils/
           Zur Kunstliebenden Jugend.

Komm/ Jugend/ die du trägst das Feuer in den Sinnen/
den Pinsel in der Hand. Jch/ Haupt der Pierinnen/
ich Pallas führe dich in diesen Kunst-palast/
wo du des Geistes Speiß in Mäng zu finden hast.
Auf/ schwing dich über dich/ kreuch nicht so an der Erde.                                   (5)
Reit/ wie Bellerofon/ auf unsrem Pegas-Pferde/
und flieg den Sternen zu/ setz Adler-Augen ein:
Du must sonst/ Dürer nicht/ ein Albrer Tüncher seyn.
Ein Mensch/ des Himmels Kind/ soll nach dem Himmel fliegen.
Jhr Ursprung kan allein die hohe Seel vergnügen.                                                (10)
Wer nicht geht immerfort/ Wer steht/ der geht zurück.
Bleib vor der Pforte nicht/ tritt ein/ und such dein Glück/
der Kunst Vollkommenheit. Hier lerne recht beseelen
die Kunst, die Poesy der Mahlerey vermählen/
das Leben mit der Farb. Hier ist der grosse Saal/                                                 (15)
da deine Sinnen schärft die dreygedritte Zahl/
der Hauf der Künstinnen/ die hoch-erleuchte Schule.
Hier such und mach amour, hier/ Männer-Jugend/ buhle/
setz die Gedanken hoch. Mach Göttinnen dir hold/
des Mägde-Pöbels lach/ nicht wehle Bley für Gold.                                             (20)
Man sagt/ das VögelVolk einst einen Reichstag hielten:
Einn König über sich sie zu erwehlen zielten/
und dieser solt es seyn/ den seiner Flügel Zug
am höchsten tragen würd in windgeschwindem Flug.
Was hatte da zu thun die Grasmück/ ô die schlaue?                                           (25)
Sie dacht: den Schwingen hier/ den schwachen/ ich nicht traue.
Jch bin auch klein: jedoch ist groß mein hoher Muht.
Es kan oft thun die List/ was die Gewalt nicht thut.
Als nun der Adler flog/ saß sie ihm auf den Nacken/
und als unsichtbar-hoch er schwung die Flügel-Flacken/                                   (30)
flog sie noch über ihn: ihr nutzte diese List/
daß sie im Fittig-Reich noch König heißt und ist.
O Jüngling/ folge nach! Schau hier den Adler fliegen/
den König dieser Kunst/ Er liebet diß Betrügen/
siht gern/ wann nach der Höh dein Pinsel trägt begier.                                     (35)
Er will daß du durch das/ was er dir schreibet für/
was dir sein Sinn gebahr/ durch diese Künste-Regeln/
mögst über Jhn hinauf bis an die Wolcken segeln.
Er bricht allhier die Bahn: geh du auf diesem Weg.
Das End von deinem Lauf/ wird seyn der Sternen-Steg.

                                              Der Erwachsene

Das Gedicht ist – als einziger der zahlreichen von ihm gelieferten Gedichttexte im ganzen Werk – durch die Unterschrift als von Sigmund von Birken verfaßt deklariert.[5] Aus Repräsentationsgründen hat er mit dem Namen unterzeichnet, den er als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft führte.[6] Sein letztes Arbeitsbuch, das sich erhalten hat, weil er vor der vorgesehenen Übertragung der in ihm enthaltenen Gedichte in die verschiedenen nach Gegenständen und Adressatengruppen separierten Sammlungen gestorben ist,[7] das Buch S. v. B. Dichterey-Sachen, enthält eine von Birken selbst dem November 1679 zugewiesene handschriftliche Version des Gedichtes; sie hätte in die Sammlung S. v. B. Birken-Wälder aufgenommen werden sollen.[8] Das Manuskript ermöglicht die Korrektur mehrerer Fehler der pompösen, aber wenig sorgfältigen Druckfassung.[9]

Die Adhortatio der Musenvorsteherin an die künftigen Maler ist in heroischen Alexandrinern ausgeführt. Im ersten Teil (v. 1-20) und im Schlußabschnitt (v. 33-40) nimmt ihre Rede innerhalb des Sandrartischen Lehrwerkes auf ebendieses bezug: in den Palast- und sonstigen Gebäudemetaphern dort (v. 3, 12, 17), in den Ortsadverbien dort (v. 13, 15, 18) und hier (v. 33, 39). Zuletzt wird das Werk gar ausdrücklich benannt: durch diese Künste-Regeln (v. 37). Die Adhortatio ist zunächst in den Anreden und Kontrastierungen des ersten Gedichtteils präsent. Nach der Präsentation eines Gleichnisses, das beispielhaftes Verhalten vorstellt (v. 21-32) kulminiert sie dann im Schlußabschnitt (v. 33-40).

Der erste Teil trägt damals geläufige Ansichten vor und arbeitet mit geläufigen Bildern. So ist das Feuer (v. 1) ein übliches Bild für Inspiration und geistige Aktivität; in Gedichten Birkens wird es immer wieder verwendet.[10] Varianten der Nahrungsmetapher für das Material, an dessen Bearbeitung sich geistige bzw. künstlerische Fähigkeiten ausbilden (v. 4), sind ebenfalls häufig anzutreffen.[11]

In der Folge der Verse 5-8 sind mehrere Motive und Bilder kombiniert: Die Aufforderung, nicht an der Erde zu kleben, sondern sich in geistiger bzw. künstlerischer Tätigkeit zu erheben, ist seit der Antike geläufig und auch in Birkens Gedichten immer wieder anzutreffen.[12] Hier wird die Ermahnung spezifiziert durch die Aufforderung an die Malereiadepten, es dem korinthischen Heros, Chimärentöter und Himmelsstürmer Bellerophon gleichzutun, dem es gelungen war, das Flügelroß Pegasos zu reiten, das den Musenquell Hippokrene freigescharrt hatte: alles in vielen Gedichten Birkens verwertet.[13] Der Sternenhimmel, den ins Spiel zu bringen von beiden Bildfeldern her nahelag, ist ein vielverwendetes Bild für die Ewigkeit. Hier ist die Aufforderung an den künstlerischen Nachwuchs, sich den Sternen zu nähern, eine motivierende Lockung mit dem Ewigkeitsruhm, den künstlerisches Schaffen dem Künstler selbst und den in seinen Werken Gefeierten gewähre: ein Zentralmotiv der impliziten Poetik zahlreicher Gedichte Birkens.[14] Zu all dem fügt sich der Hinweis auf den Adler, von dem man glaubte – und u. a. darin seinen Rang in der Tierwelt und seine Eignung als Sinnbild sah –, er allein könne in die Sonne blicken, verjünge sich dadurch und leite auch seine Jungen zur Ausbildung dieser Fähigkeit an. Zur Verdeutlichung des Zieles, auf das es hinzustreben gilt, wird der damals als der größte unter den deutschen Malern geltende Albrecht Dürer ins Spiel gebracht, aber auch die Gegenposition, die einzunehmen bleibe, wenn es am Streben nach den Sternen fehle.

Die Verse 9f. fassen die Tendenz der voraufgegangenen Rede der Pallas prägnant zusammen und fügen das bisher überwiegend mythologisch Verbildlichte in einen auch christlich akzeptablen Bedeutungsrahmen – für Birken absolut notwendig –: Das höchste dem schöpferischen Menschen im Diesseits erreichbare Ziel ist eine Art des Schaffens, die im Rahmen des auf Erden Möglichen dem Schaffen Gottes entspricht. Das kann sich vollziehen als weises politisches Handeln – die Herrscher und Regenten der Zeit sahen sich und galten als Stellvertreter und Sachwalter Gottes auf Erden – oder als künstlerisches Gestalten. Gottesdienst war es immer. Beide Arten des Handelns näherten die Seele des solcherart Handelnden schon zu Lebzeiten ihrem „Ursprung“ (v. 9) an, wie Birken nicht nur hier behauptet.[15] Die Wahrnehmung der Vollkommenheit des Kunstwerks, die Sandrarts Werk ermöglicht (v. 13), die in der Analogie zur Vollkommenheit der Schöpfung Gottes besteht, ist das höchste im Diesseits vom schöpferischen Menschen erfahrbare Glück (v. 12).

An konkreterer Programmatik fehlt es freilich auch nicht. Die Verse 13-15 lassen erkennen, daß dem Autor Harsdörffers Konzept der Gemeinschaft, des Zusammenspiels der Künste wohlvertraut war.[16] Die Verbildlichung des Verhältnisses des Kunstadepten zu seiner durch die Musen repräsentierten Kunst (v. 18-20) als Liebesverhältnis begegnet sowohl in der Sandrartschen Academie als auch in Birkens Gedichten mehrfach.[17] In den Kontrastierungen der Verse 19f. erhält der erste Gedichtteil einen Abschluß, der denjenigen der Versgruppe 5-8 aufnimmt und verstärkt.

Der interessanteste Teil des Gedichtes bzw. der das Ganze strukturierenden Adhortatio beginnt mit v. 21. Eine damals wie heute bekannte Fabel wird dem didaktischen Anliegen des Gedichtes bzw. demjenigen des Sandrartschen Werkes dienstbar gemacht. Es ist die Fabel / das Märchen vom kleinen Zaunkönig, der den großen und mächtigen Adler überlistet und statt seiner zum – wenn auch nicht von den anderen Vögeln anerkannten – König derselben avanciert. Nach Plutarch, der die Geschichte knapp andeutet, handelt es sich um eine Äsopische Fabel.[18] In den verschiedenen Sammlungen Aesop zugeschriebener Fabeln kommt diese aber nicht vor. Daß sie alt ist, erweist freilich die Tatsache, daß schon Aristoteles von der Feindschaft zwischen Adler und Zaunkönig weiß.[19]

Kaum ausführlicher als Aristoteles ist Plinius, der im Buch X der Naturalis historia im Kapitel über die Vögel mitteilt:

Sunt enim quaedam iis bella amicitiaeque, unde adfectus, praeter illa quae de quibusque eorum suis diximus locis. dissident olores et aquilae, corvus et chloreus noctu invicem ova exquirentes, simili modo corvus et miluus, illo praeripiente huic cibos, cornices atque noctua, aquilae et trochilus, si credimus, quoniam rex appellatur avium […].[20]

Aus dem 12. Jahrhundert stammt diese Erzählung:

Condixerunt inter se aves, ut illa regiae celsitudinis gloriam sortiretur, quae sublimi volatu omnes alias vinceret. Parra igitur sub ascella aquilae latitans opportunitatem ex tempore nacta est. Cum enim aquila Jovis penetralibus vicinior dominium sibi vendicaret, ausa est parra capiti aquilae insidere, victricem se esse asserens.[21]

Wir wissen nicht, wie gut die ornithologischen Kenntnisse des Autors waren; schwerlich aber wird er den listigen Geniestreich der Schleiereule oder dem Grünspecht zugetraut haben.[22]

Eindeutig um den Zaunkönig geht es in dem deutschsprachigen Gedicht Der Vögel Gespräch, das die bis dahin ausführlichste Erzählung von der Überlistung des Adlers durch den Zaunkönig bietet.[23]

In der Emblematik des 16. Jahrhunderts ist Bekanntheit der Erzählung ebenso kenntlich wie beim Jesuitendramatiker Jacob Bidermann.[24]

Auch Schiller setzt Bekanntschaft mit ihr bei Zuschauern und Lesern voraus, wenn er 1781 in der zweiten Szene des ersten Aufzugs des unterdrückten Bogens B der Erstfassung seines Dramas Die Räuber den späteren Räuber und vermeintlichen Anführer der Bande, Moriz Spiegelberg, gegenüber dem noch reumütig auf die Verzeihung seines Vaters hoffenden Karl Moor renommieren läßt:

Bruder! Bruder! Itzt wollen wir erst anfangen zu leben. Danks deinem Kopf, daß ich dich brauchen kann. Du hängst dich an den Adler Spiegelburg wie der Zaunkönig und kommst mit ihm zur Sonne.[25]

Die Fabel war demnach in der griechischen und römischen Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit bekannt und für literarische Weiterverwendung verfügbar. Die Dokumentation von Bolte und Polívka erweist, daß sie nicht nur im europäischen Kulturkreis verbreitet war.[26]

In jüngerer Zeit ist die Zaunkönig-Fabel vor allem durch die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm bekannt geworden, allerdings erst in späteren Ausgaben.[27] Sie hat in dieser Erscheinungsform einen distanzierenden Rahmen –

In den alten Zeiten, da hatte jeder Klang noch Sinn und Bedeutung. […] Zu dieser Zeit hatten auch die Vögel ihre eigene Sprache, die jedermann verstand, jetzt lautet es nur wie ein Zwitschern, Kreischen und Pfeifen, und bei einigen wie Musik ohne Worte.

– und ist mit zahlreichen ‚Übersetzungen‘ von Vogelstimmen und allerlei anderen Einlagerungen durchsetzt. Der eigentliche Vorgang, auch er recht aufgeschwellt, lautet:

Es kam aber den Vögeln in den Sinn, sie wollten nicht länger ohne Herrn sein und einen unter sich zu ihrem König wählen. […].

Die Vögel wollten sich nun über die Sache besprechen, und an einem schönen Maimorgen kamen sie alle aus Wäldern und Feldern zusammen, Adler und Buchfinke, Eule und Krähe, Lerche und Sperling, was soll ich sie alle nennen? Selbst der Kuckuck kam und der Wiedehopf, sein Küster, der so heißt, weil er sich immer ein paar Tage früher hören läßt; auch ein ganz kleiner Vogel, der noch keinen Namen hatte, mischte sich unter die Schar. […].

Es ward aber beschlossen, daß der König sein sollte, der am höchsten fliegen könnte. […].

Es ward nun beschlossen, sie wollten gleich an diesem schönen Morgen aufsteigen, damit niemand hinterher sagen könnte: „Ich wäre wohl noch höher geflogen, aber der Abend kam, da konnte ich nicht mehr.“ Auf ein gegebenes Zeichen erhob sich also die ganze Schar in die Lüfte. Der Staub stieg da von dem Felde auf, es war ein gewaltiges Sausen und Brausen und Fittichschlagen, und es sah aus, als wenn eine schwarze Wolke dahinzöge. Die kleinen Vögel aber blieben bald zurück, konnten nicht weiter und fielen wieder auf die Erde. Die größeren hielten’s länger aus, aber keiner konnte es dem Adler gleichtun, der stieg so hoch, daß er der Sonne hätte die Augen aushacken können. Und als er sah, daß die andern nicht zu ihm herauf konnten, so dachte er: „Was willst du noch höher fliegen, du bist doch der König“, und fing an, sich wieder herabzulassen. Die Vögel unter ihm riefen ihm alle gleich zu: „Du must unser König sein, keiner ist höher geflogen als du.“

„Ausgenommen ich“, schrie der kleine Kerl ohne Namen, der sich in die Brustfedern des Adlers verkrochen hatte. Und da er nicht müde war, so stieg er auf und stieg so hoch, daß er Gott auf seinem Stuhle konnte sitzen sehen. Als er aber so weit gekommen war, legte er seine Flügel zusammen, sank herab und rief unten mit feiner, durchdringender Stimmte: „König bün ick! König bün ick!“

Die Erzählung wird weitergeführt. Die anderen Vögel akzeptieren das erlistete Ergebnis nicht. So kommt es zu einem zweiten Wettbewerb: „Der sollte ihr König sein, der am tiefsten in die Erde fallen könnte.“ Abermals gewinnt der Namenlose, weil er – nur er ist dazu klein genug – in ein Mäuseloch kriecht. Daraufhin beschließen die anderen Vögel, ihn in diesem Loch gefangen zu halten; die Eule wird als Wache davorgestellt. Aber ihr Vorsatz, zum Schlaf immer nur das eine Auge zu schließen und mit dem anderen das Loch zu bewachen, wird schließlich von der Müdigkeit besiegt. So kann der Kleine entkommen, mit bösen Folgen für die Eule:

Von der Zeit an darf sich die Eule nicht mehr am Tage sehen lassen, sonst sind die andern Vögel hinter ihr her und zerzausen ihr das Fell. Sie fliegt nur zur Nachtzeit aus, haßt aber und verfolgt die Mäuse, weil sie solche böse Löcher machen. Auch der kleine Vogel läßt sich nicht gerne sehen, weil er fürchtet, es ginge ihm an den Kragen, wenn er erwischt würde. Er schlüpft in den Zäunen herum, und wenn er ganz sicher ist, ruft er wohl zuweilen: „König bün ick!“ Und deshalb nennen ihn die andern Vögel aus Spott Zaunkönig.

In dieser Erzählung ist das Zentralmotiv, die Überlistung des Adlers durch den kleinen Vogel, dem das seinen Namen einbrachte, durch die variierende Verdoppelung, die zahlreichen Vogelrufimitationen und die distanzierende Einleitung stark aufgeschwemmt: alles jüngeren Datums.

In Birkens Gedicht spielt nur das Kernmotiv eine Rolle. Welche Quelle seiner Einbeziehung der Fabel zugrunde gelegen hat, ist nicht zu erkennen. Es gibt auch nur diese eine Bezugnahme in seinem ganzen Werk.

Zwar erweist die Dokumentation von Bolte und Polívka, daß der listige kleine Vogel nicht in allen Varianten der Erzählung der Zaunkönig ist: Rotkehlchen, Kuckuck, Habicht, Nachtigall, Hänfling, Kolibri, sogar die Fledermaus können seinen Platz einnehmen.[28] Dennoch verwundert es zunächst, daß Birken, der sicher Plinius, vielleicht auch Der Vögel Gespräch gekannt hat, nicht den Zaunkönig, sondern „die Grasmück“ siegen läßt. Vermutlich war der Grund dafür die in einem alternierenden Rhythmus nicht behebbare Sperrigkeit des Wortes Zaunkönig. Es ist zu vermuten, daß der Austausch mit Bedacht vorgenommen worden ist, weil beide Vögel zur Singvogelgruppe der Pfriemenschnäbler gehören und sich zwar ein wenig hinsichtlich ihrer Größe, gar nicht aber hinsichtlich ihrer Lebensweise unterscheiden. Daß eigentlich doch der Zaunkönig gemeint ist, erweist v. 32.

Viel interessanter als die Umbenennung des kleinen Protagonisten in Birkens Adaption der alten Fabel ist die Funktionalisierung derselben, die er vorgenommen hat. Sie wird nach der – partiell als zitierte Rede der Grasmücke durchgeführten – Erzählung des Kernmotivs (v. 21-32) in den Versen 33-38 kenntlich. Plutarch hatte das Verhalten des Zaunkönigs als Negativbeispiel für das Verhalten eines jungen Politikers dargestellt. Birkens Verse präsentieren ein positives Vorbild. Sie enthalten die Aufforderung, sich von dem erzählten Beispiel zu einem Verhalten motivieren zu lassen, das der für die gesamte Kunstproduktion der Frühen Neuzeit maßgeblichen Strategie der aemulatio entspricht. Man hatte sich an den großen Vorbildern der Tradition zu orientieren und zu üben, um sie – verehrungsvoll – zu überbieten. Nicht nur Birkens lyrische Produktion verdankt ihre Eigenart, auch ihre partielle Neuartigkeit, diesem Bestreben. Das, was im 18. Jahrhundert in polemischer Abgrenzung der alten Ästhetik entgegengesetzt wurde, das – angeblich – von keiner Traditionsorientierung belastete und behinderte Schaffen aus eigener Gesetzlichkeit des produktiven individuellen Ingeniums, war gänzlich undenkbar. Der Leistungserweis aller Kunst bestand damals darin, daß sie sich fähig zeigte, die klassischen Vorbilder zugleich zu tradieren und zu überbieten und die eigene Produktion als temporären Höhepunkt in die Traditionskette einzureihen.[29]

Der Adler in Birkens Beispiel steht für Joachim von Sandrart, wie er in anderen Texten für Vergil, Horaz, Ovid, Aristoteles, Plato, Opitz und andere Größen stehen kann; und in der zaunköniglichen Grasmücke soll sich der angeredete Nachwuchskünstler erkennen. Es liegt in der Logik dieser Funktionalisierung der alten Fabel, daß der Adler nicht deswegen überwunden wird, weil er nicht mehr kann, und daß er seinen Überwinder nicht haßt und verfolgt und zu einem Leben im Unterholzgestrüpp zwingt, sondern daß er im Gegenteil des (noch) Kleineren Verhalten ausdrücklich begrüßt und gutheißt (v. 33-35). So kann am Ende deutlich ausgesprochen werden, worauf das Ganze hinausläuft: Wer als bildender Künstler etwas werden will, wird aufgefordert, das vom Meister Sandrart bereitgestellte Lehrbuch zu benutzen, um schließlich den Lehrer zu übertreffen und sich selbst wie jener der Ewigkeit einzuschreiben. Die Kunst selbst in Gestalt ihrer Schutzgottheit ist die für eine solche Aufforderung höchstlegitimierte Instanz.

Als Gratulationsgabe zum Festtag eines jüngeren ehemaligen Mitarbeiters, der längst selbst zu den Adlern gehört, aber wie auch der Gratulant einst ein listiger Zaunkönig gewesen ist, scheint mir die Erinnerung an diesen alten Appell besonders gut geeignet.


[1] Sämtliche Teile des Werkes sind in einem opulenten Nachdruck zugänglich: Joachim von Sandrart: Teutsche Academie der Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste. Nürnberg 1675-1680. In ursprünglicher Form neu gedruckt mit einer Einleitung von Christian Klemm. 3 Bde. Nördlingen 1994 und 1995.

[2] Das ist außer dem nachträglich ernannten ersten Hauptteil das Heft LebensLauf und Kunst-Werke Des WolEdlen und Gestrengen Herrn Joachims von Sandrart/ auf Stockau/ Hochfürstl. Pfalz-Neuburgischen Rahts: zu schuldigster Beehrung und Dankbarkeit/ beschrieben und übergeben von Desselben Dienst-ergebenen Vettern und Discipeln. Nürnberg/ Gedruckt bey Johann-Philipp Miltenbergern/ Jm Jahr Christi. 1675. Beide Werke sind in Bd. 1 der Neuausgabe enthalten.

[3] Sie sind mitgeteilt in Bd. 2 der Ausgabe: Sigmund von Birken. Werke und Korrespondenz. Hrsg. von Klaus Garber, Ferdinand von Ingen, Hartmut Laufhütte und Johann Anselm Steiger, mitbegründet von Dietrich Jöns (†) [künftig: WuK]. Zu Birkens Anteil am Erscheinungsbild des Werkes s. Christian Klemm: Joachim von Sandrart. Kunstwerke und Lebenslauf. Berlin 1986; ders.: Sigmund von Birken und Joachim von Sandrart. Zur Entstehung der Teutschen Academie und zu anderen Beziehungen von Literat und Maler. In: „der Franken Rom“. Nürnbergs Blütezeit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hrsg. von John Roger Paas. Wiesbaden 1995, S. 289-313.

[4]Der Teutschen Academie Zweyten Haupt-Theils Dritter Theil: Welcher zuvorderst Der Edlen Mahler-Kunst rechten Grund/ Eigenschafften/ und Geheimnisse/ durch gewisse Regeln/ Unterweis– und Beschreibungen erörtert []. Nürnberg/ Gedruckt bey Christian Siegismund Frobergern. ANNO CHRISTI M. DC. LXXIX. In der Neuausgabe in Bd. 2. Das Bild ist dem Titelblatt vorgefügt; das Gedicht steht auf S. 9f.

[5] Es gibt eine Ausnahme: In dem 1675 gedruckten, von Birken bearbeiteten Ergänzungsheft LebensLauf und Kunst-Werke (wie Anm. 2) hat Birken auf S. 15-17 seine schon in den frühen fünfziger Jahren verfaßten Epigramme auf Joachim von Sandrarts Monatsbilder und dessen Darstellungen von Tag und Nacht eingefügt. Die vierzehn Epigramme, deutschsprachige Bearbeitungen lateinischer Vorgaben von Caspar Barlaeus, die ebenfalls mitabgedruckt wurden, sind als Manuskriptfassungen (Texte Nr. 104 und 105) auch in Birkens Gedichte-Sammlung S. v. B. Birken-Wälder überliefert: WuK. Bd. 2, S. 132-136; 653-668. Im LebensLauf sind Birkens Gedichte so eingeführt:

Diesen Lateinischen Zeilen theils nachahmend/ hat folgender Zeit H. Sigmund von Birken/ Com. Pal. Caes. über solche schöne Erfindungen/ deme sie sonders wol gefallen/ dieselbigen damit bässer als Barlaeus exprimirend/ hiesige hochTeutsche Unterschrifften verfasset.

[6] In diese Gesellschaft war Birken 1658 aufgenommen worden; s. [Georg Neumark]: Der Neu-Sprossende Teutsche Palmbaum. Oder Ausführlicher Bericht/ Von der Hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft Anfang/ Absehn/ Satzungen/ Eigenschaft/ und deroselben Fortpflanzung/ mit schönen Kupfern ausgeziehret/ samt einem vollkommenen Verzeichnüß/ aller dieses Palmen-Ordens Mitglieder Derer Nahmen/ Gewächsen und Worten/ hervorgegeben Von dem Sprossenden. Zufinden bey Joh. Hoffman Kunsth. in Nürnb. Drukkts/ Joachim. Heinrich. Schmid in Weinmar/ F. S. Hof-Buchdr. (Nachdruck, hrsg. von Martin Bircher. München 1970), S. 401.

[7] Sigmund von Birken starb am 12.6.1681; ihm wurde diese Nachrufschrift gewidmet: [Martin Limburger]: Die Betrübte Pegnesis/ Den Leben/ Kunst- und Tugend-Wandel Des Seelig-Edlen Floridans/ H. Sigm. von Birken/ Com. Pal. Caes. Durch 24 Sinn-bilder/ in Kupfern Zur schuldigen Nach-Ehre/ fürstellend/ Und mit Gespräch– und Reim-Gedichten erklärend/ Durch ihre Blumen-Hirten. Nürnberg/ drukkts Christian Sigm. Froberg. Zu finden daselbst bey Joh. Jac. von Sandrart/ und in Frankfurt und Leipzig bey David Funken/ Kunst– und Buchhändlern. 1683. (Nachdruck der zweiten Auflage 1684 mit einem Nachwort von Dietrich Jöns. Hildesheim / New York 1993).

[8]S. v. B. Dichterey-Sachen: PBlO.B.3.2.1, S. 71f. Zu diesem Arbeitsbuch s. WuK. Bd. 1: Floridans Amaranten-Garte. Hrsg. von Klaus Garber und Hartmut Laufhütte. In Zusammenarbeit mit Ralf Schuster. Tübingen 2009, Einleitung, S. CXXXVII-CXL. In WuK. Bd. 2 (wie Anm. 3), Nr. 414, S. 476f., 1196f.

[9] In der Druckfassung heißt es in v. 16 ihre statt deine, in v. 23 der statt den, in v. 24 wird statt würd, in v. 30 erschwung statt erschwung, in v. 31 noch statt hoch. Wahrscheinlich wäre auch in v. 8 der Manuskriptbefund wirst (statt müst in der Druckfassung) vorzuziehen.

[10] Die Gedichte Nr. 247, 257, 418 und 419 der Sammlung S. v. B. Birken-Wälder (WuK. Bd. 2, S. 338f., 325f., 480 und 480-482; 904-907, 920-922, 1201 und 1202-1204) und Nr. 237 der Sammlung Floridans Amaranten-Garte (WuK. Bd. 1, S. 423-425, 872-876) enthalten die Feuer-Metapher schon im Titel oder in einem der ersten Verse.

[11] S. in der Sammlung S. v. B. Birken-Wälder (WuK. Bd. 2) in den Gedichten Nr. 13, v. 47-49 (S. 19), Nr. 26, v. 12f. (S. 43) und Nr. 267, v. 16 (S. 339).

[12] Besonders bekannt sind die entsprechenden Passagen in den Einleitungsabschnitten der Schriften CatilinaeConivratio (1.1f.) und BellvmIvgvrthinvm (1.1-5) des Sallust; s. C. Sallvsti Crispi Catilina. Ivgvrtha. Fragmenta ampliora. Post A. W. Ahlberg edidit Alphonsvs Kvrfess. Editio tertia stereotypica. Lipsiae in aedibvs B. G. Tevbnerianis MCMLVII, S. 2, 53. In zahlreichen Gedichten Birkens finden sich Variationen dieses Motivs; s. z. B. WuK. Bd. 2, Nr. 1, v. 12 (S. 3), Nr. 2, v. 2f. (S. 4); WuK. Bd. 14 (Prosapia / Biographia. Hrsg. von Dietrich Jöns und Hartmut Laufhütte. Tübingen 1988) in dem Gedicht DankLied, vor die Geist– und Leibliche Geburt (S. 14, 64). Das Lied steht auch in der handschriftlich geführten Gedichte-Sammlung Psalterium Betulianum (PBlO.B.3.3.3, Nr. 43, 81v-83v), gedruckt in Birkens Nachrufschrift auf seine erste, 1670 verstorbene Ehefrau, Sigmunds von Birken Com. Pal. Caes. Todes-Gedanken und Todten-Andenken: vorstellend eine Tägliche Sterb-bereitschaft und Zweyer Christl. Matronen Seelige SterbReise Nürnberg/ zu finden bey Johann Kramern. Gedruckt in Bayreuth/ durch Johann Gebhard. A. C. 1670., S. 25-30, und schließlich in der Nachrufschrift Die Betrübte Pegnesis (wie Anm. 7), S. 54-59.

[13] Zu Bellerophon und Pegasus s. Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Pauly’s Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaften unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter bearbeitet und hrsg. von Konrat Ziegler und Walther Sontheimer. Stuttgart 1964-1975. Bd. 1, Sp. 856-858; Bd. 4, Sp. 582.

[14] Das beginnt früh mit dem Gedicht, mit welchem sich der junge Sigmund Betulius für die Krönung zum Poeta Laureatus durch den Comes Palatinus Martinus Goskius, den Leibarzt Herzog Augusts des Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg, bedankte; s. Prosapia / Biographia (WuK. Bd. 14; wie Anm. 12), Str. 10, S. 35. Das Motiv begegnet in sehr vielen Gedichten Birkens.

[15] Vgl. Teutsche Rede-bind und Dicht-Kunst/ oder Kurze Anweisung zur Teutschen Poesy/ mit Geistlichen Exempeln: verfasset durch Ein Mitglied der höchstlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft Den Erwachsenen. Samt dem Schauspiel Psyche und Einem Hirten-Gedichte. Nürnberg/ Verlegt durch Christof Riegel. Gedruckt bey Christof Gerhard. A.C. M DC LXXIX. (Nachdruck Hildesheim / New York 1973), Vorrede, § 24:

Rechtschaffene Poeten/ die sich erinnern/ daß ihre Kunst vom Himmel einfließe/ daß diese Kunst-Ergebenen vor alters für die allein-Weißen gehalten/ und von dem Weltweißen-Vatter Plato Väter und Fürsten der Weißheit/ größer als Menschen und kleiner als Götter/ ja Söhne der Götter und Göttlich genennt worden:

[16] Auch das Gedicht „Es dichten ja zugleich/ der Mahler und Poet“ am Ende (S. 78) des 9. Kapitels im 3. Buch des 1. Teils im 1. Hauptteil (1675) der Academie, das mit der Überschrift Der Redner, Poet und Mahler auch in der Sammlung S. v. B. Birken-Wälder enthalten ist (Nr. 377, S. 438, 1130f.), stellt diese Programmatik vor. Vgl. Vorrede und DerMahlkunstBeschlußGesang in Georg Philipp Harsdörffers Singspiel SEELEWJG im 4. Teil (1644) der Gesprächspiele (Nachdruck, hrsg. von Irmgard Böttcher. Tübingen 1968, S. 492f. [536f.], 620-622 [664-666]).

[17] In den Gedichten „Hier, Iugend, geh zur Schule“ am Ende des 3. Kapitels im 3. Buch des 1. Teils im 1. Hauptteil (1675) der Academie, S. 65, und „Hieher/ zum besten Tanz! Apollo spielet auf.“ am Ende des vorletzten Kapitels im 3. Teil des 2. Hauptteils (1679) der Academie, S. 86. Das erste Gedicht steht mit der Überschrift Auf einen antiken Leuchter., das zweite mit der Überschrift Danzbelustigung der Virtuosen Jugend. auch in der Sammlung S. v. B. Birken-Wälder (WuK. Bd. 2, Nr. 417, S. 479f., 1200f.). Diese Sammlung enthält eine ganze Anzahl von Gedichten, in welchen das Motiv eine Rolle spielt.

[18] Plutarch: Praecepta gerendae reipublicae 12.806e/f; s. Plutarch. Moralia. Vol. X. With an english translation by Harold North Fowler. Cambridge, Mass. / London 2002 (zuerst 1936), S. 200f.: „τούτων οὖ ἔχεσθαι δεῖ τῶν ἀνδρῶν καὶ τούτοις ἐμφύεσθαι, μή, καθάπερ ὁ Αἰσώπου βασιλίσκος ἐπὶ τῶν ὤμων τοῦ ἀετοῦ κομισθεὶς αἰφνίδιον ἐξέπτη καὶ προέφθασεν“.

[19] Aristoteles: Historia animalium 9.c.11; s. Aristotle. History of animals. Books VII-X. edited and translated by D. M. Bulme. Prepared for publication by Allan Gotthelf. Cambridge, Mass. / London 1991, S. 270: „ὀ δὲ τροχίλος λόχμας καὶ τρώγλας οἰκεῖ· δυσάλωτος δὲ καὶ δραπέτης καὶ τὸ ἦθος ἀσθενής, εὐβίοτος δὲ καὶ τεχνικός. καλεῖται δὲ πρέσβυς καὶ βασιλεύς· διὸ καὶ τὸν ἀετὸν αὐτῷ φασὶ πολεμεῖν. [Der Zaunkönig bewohnt Dickicht und Höhlen; er ist schwer zu fangen und schwach von Natur, aber behaglich lebend und kunstfertig. Er wird ‚Alter‘ und ‚König‘ genannt, weshalb ihm auch, wie man erzählt, der Adler feind wurde.]

[20] C. Plini Secvndi Natvralis Historia Libri XXXVII. Post Lvdovici Iani obitvm itervm edidit Carolvs Mayhoff. Vol. II. Libri VII-XV. Editio Stereotypica Editionis Prioris (MCMIX). Stuttgart 1967. Buch X.74, 203f. Die Übersetzung:

Es gibt nämlich zwischen ihnen Kriege und Freundschaften und entsprechende Leidenschaften außer denen, über die wir an bestimmten Stellen schon gehandelt haben. Es vertragen sich nicht Schwäne und Adler sowie Rabe und Grünspecht, die bei Nacht gegenseitig auf ihre Eier aus sind. Ähnlich ist es mit dem Raben und dem Falken, von denen der eine dem anderen die Nahrung raubt, mit den Krähen und der Eule, den Adlern und dem Zaunkönig, wenn wir’s glauben, weil er König der Vögel genannt wird.

[21] Alexander Neckam: De naturis rerum 1.78; zitiert nach: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Neu bearbeitet von Johannes Bolte und Georg Polívka. Bd. 3 (Nr. 121-225). 3. Nachdruckauflage. Hildesheim / New York 1982, S. 280. Die Übersetzung:

Die Vögel verabredeten miteinander, der solle den Ruhm königlicher Hoheit erlangen, der durch seine Flughöhe alle anderen besiegen werde. Die Parra hat daher, unter der Achsel des Adlers versteckt, überraschend ihre Chance genutzt. Denn als der Adler, schon nahe dem Heiligtum Jupiters, die Herrschaft für sich beanspruchte, wagte es die Parra, sich auf den Kopf des Adlers zu setzen und zu behaupten, sie sei die Siegerin.

[22] Das sind die geläufigen Übersetzungen des Namens „parra“; s. Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch. Aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet von Karl Ernst Georges. Nachdruck der achten verbesserten und vermehrten Auflage von Heinrich Georges. Hannover 1959. Bd. 2, Sp. 1483.

[23] S. Bolte / Polívka (wie Anm. 21), S. 280. Das Gedicht ist vollständig mitgeteilt von Franz Pfeiffer in: Germania. Vierteljahrschrift für deutsche Altertumskunde 6 (1861), S. 80-106.

[24] S. Emblemata. Handbuch der Sinnbildkunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Hrsg. von Arthur Henkel und Albrecht Schöne. Taschenausgabe. Stuttgart / Weimar 1996, Sp. 779. Der dort gegebene Hinweis auf Horaz, C.II. 20, v.1f., ist irreführend. Zu Bidermann s. Bolte / Polívka (wie Anm. 21), S. 280.

[25]Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 3: Die Räuber. Hrsg. von Herbert Stubenrauch. Weimar 1953, S. 253.

[26] S. Bolte / Polívka (wie Anm. 21), S. 280-283.

[27] Sie war erstmals in der Ausgabe von 1840 enthalten; s. Bolte / Polívka (wie Anm. 21), S. 278. Die Zitate nach: Brüder Grimm. Kinder- und Hausmärchen. Nach der großen Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert, kommentiert und durch Register erschlossen. Hrsg. von Hans-Jörg Uther. 3 Bde. München 1996. Bd. 3: Märchen 145-200; Kinderlegenden 1-10, Nr. 171, S. 75-78.

[28] Bolte / Polívka (wie Anm. 21), S. 282f.

[29] S. Hartmut Laufhütte: Horaz im Birkenwald.Sigmund von Birken als Übersetzer. In: Literatur – Geschichte – Österreich. Probleme, Perspektiven und Bausteine einer österreichischen Literaturgeschichte. Thematische Festschrift zur Feier des 70. Geburtstags von Herbert Zeman. In Zusammenarbeit mit Wynfried Kriegleder hrsg. von Christoph Fackelmann. Wien / Berlin 2011, S. 490-511.

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