Was der ruhelose Geist eines kapitalistischen Katers zu erzählen hat

Tiere in Robert Grötzschs Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten

Von Julia Eckert

Neben dem durch unreflektierten Patriotismus, offen glorifizierten Militarismus und nationalistisches Gedankengut geprägten Großteil der Kinder- und Jugendliteratur im preußischen Kaiserreich (vgl. Wild 1990, 179), der durch eine die realen Lebensverhältnisse verschleiernde und sich vor allem an jüngere Rezipienten richtende ‚Heile Welt‘-Literatur ergänzt wurde (vgl. ebd., 180), entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts erste Formen von sozialistischer Literatur für Kinder und Jugendliche. Einerseits wies diese durch Forderungen nach künstlerischem Anspruch und poetischem Eigenwert der Texte Berührungspunkte mit der Jugendschriftenbewegung auf, die einen an den impliziten Kriterien klassisch-humanistischer Ideale ausgerichteten Kinder- und Jugendliteraturkanon favorisierte. Andererseits ergaben sich in puncto inhaltliche Ausgestaltung Differenzen zwischen den Befürwortern einer eigenständigen Literatur für die Jugend der unteren Gesellschaftsschichten und Anhängern der Jugendschriftenbewegung. Letztere sprachen sich 1906 deutlich gegen Tendenzschriften im engeren Sinne aus (vgl. Wolgast o.J., 282–283)[1], wodurch nicht nur mehrheitlich abgelehnte Richtungen wie die wilhelminische Ideologie, sondern potenziell auch sozialistische Tendenzen als unerwünscht gelten konnten. Während die Befürworter weltanschaulicher Neutralität wie Karl Kautsky eine in ausreichendem Maße ausgebildete kritische Rezeptionsfähigkeit in Bezug auf politisierte Literatur bei der Zielgruppe bezweifeln (vgl. Marquardt o. J., 83) und etwa Heinrich Schulz die Kindheit als ideologielose Zeit begreift und diesen Zustand als schützenswert erachtet (vgl. ebd.), so streben die Befürworter sozialistischer Kinder- und Jugendliteratur Texte an, die sich unter anderem „gegen bürgerliche Tendenzen, d.h. gegen jedwede Ideologie in Form von Religion und idealistischer Wissenschaft sowie gegen Chauvinismus und Imperialismus wenden“ (Marquardt o. J. 90). Clara Zetkin, eine Vertreterin der Befürworter einer speziell auf die Lebenssituation von proletarischen Kindern und Jugendlichen zugeschnittenen Literatur mit sozialistischer Grundlinie verteidigt den Begriff der Tendenz im Allgemeinen am Anfang eines Textes über Ferdinand Freiligrath:

Die Geschichte der Kunst straft freilich die Worte Lügen, welche die ‚Tendenz‘ im Reiche des Schönen ächten sollen. Sie weist aus, daß zu allen Zeiten der geistige Gehalt großer sozialer Bewegungen und Kämpfe Schöpfungen von höchstem und dauerndem künstlerischem Wert Leben und Gestalt verliehen hat. [Zetkin 1907/10 [1955], 80]

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass Zetkin der Kunst im Kontext des Klassenkampfes eine zentrale Rolle zuweist (vgl. Zetkin 1910/11 [1955], 102–103). Zudem postuliert sie Kunstausübung als menschliches Charakteristikum im Gegensatz zum Tier:

Es ist eine Tatsache, daß die Kunst eine alte, urwüchsige geistige Lebensäußerung der Menschheit ist. […] Kaum daß der Mensch sich von der Tierheit loszulösen beginnt, daß geistiges Leben in ihm die Augen aufschlägt, regt sich in ihm der künstlerische Schöpfungsdrang und läßt eine ganz einfache, rohe Kunst entstehen. [Zetkin 1910/11 [1955] 102]

 Die Frage nach den Voraussetzungen für die Produktion und Distribution von Literatur für die proletarische Jugend, nach Aspekten ihrer inhaltlichen Ausgestaltung und Anforderungen an formal-ästhetische Gesichtspunkte wird zunehmend zum Inhalt parteipolitischer Diskussionen. Ein Meilenstein der sozialdemokratischen Auseinandersetzung mit Schulwesen, Erziehungsfragen und Bildungspolitik ist der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands 1906 in Mannheim. In den bereits im Vorfeld von Clara Zetkin und Heinrich Schulz veröffentlichten „Leitsätze[n] zum Thema ‚Volkserziehung und Sozialdemokratie‘“ (Christ 1975, 13) wird der Partei im vierten Leitsatz die Aufgabe zugewiesen, „eine geeignete sozialistische Kinderliteratur“ (ebd., 17) zu schaffen, was – auch wenn diese Forderung nicht überall auf Zustimmung stößt und nicht neu ist – die ungebrochene Priorität der Jugendlektüre-Frage unterstreicht. Clara Zetkin fordert auf dem Parteitag in Mannheim, die bisherigen Anstrengungen bürgerlicher Jugendreformpädagogen hinsichtlich einer Steigerung des künstlerischen Niveaus der Kinder- und Jugendliteratur auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten vor dem Hintergrund sozialistischer Werte kritisch zu prüfen (vgl. Zetkin 1906 [1986], 63) und künftig auch die bislang nicht thematisierten „sozialen Tugenden, welche der proletarische Klassenkampf gebiert und bedarf und die auf der Grundlage unserer sozialistischen Weltanschauung entstehen“ (ebd., 64) in eine genuin sozialistische Literatur für eine junge Zielgruppe zu integrieren.

Zu den heute nicht mehr breit rezipierten frühen Vertretern von sozialistischer Kinder- und Jugendliteratur zählt Robert Grötzsch, als Klempner zunächst selbst im Arbeitermilieu tätig, bevor er politische Glossen und literarische Texte verschiedener Genres veröffentlicht (vgl. Weiß/Wonneberger 1997, 65). Zu seinen Kinderbüchern, die im Verlag Kaden & Companie erscheinen, der von dem SPD-Politiker August Kaden 1898 gegründet wurde und in zahlreichen Publikationen eine sozialdemokratische Linie verfolgte (vgl. Altner 2001, 80–81), zählt sein literarisches Debut Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten. Geschichten für Arbeiterkinder (1908). Als Sammlung politischer Märchen und Erzählungen steht der Text in der Gattungstradition von Der große Krach von Friedrich Gottlieb Schulze (1875), der als Beginn der sozialistischen Kinderliteratur gilt (vgl. Wild 1990, 215)[2]. Darüber hinaus enthält Nauckes Luftreise auch sozialkritische Erzählungen mit geschichtlichem Hintergrund und Darstellungen phantastischer Ereignisse. Der Dresdner Grafiker Robert Langbein (vgl. Altner 2001, 108) schuf die aufwendigen Illustrationen zum Text.

Den Beginn des Textes, der eine Art Prolog zur Entstehung der folgenden Erzählungen darstellt, markiert eine spukhafte Zusammenkunft: Der Kater Murr Dyckerpott, Trippeltritt, ein ehemaliges Straßenbahnpferd, ein sogenannter Germunizwerg, ein Stock aus Eichenholz sowie der alte Affe Hukupukl treffen sich nachts kurz vor Morgenanbruch im Wald und beklagen jeweils ihr Leid. Kurz darauf stoßen noch ein Finger, der sich aus der Erde bohrt, der titelgebende Naucke mit seinem Drachen, ein Junge, dem ein Finger fehlt, ein Junge mit Husarenuniform in der Hand sowie ein Mädchen hinzu, die ebenfalls jeweils einen starken Erzähldrang zeigen. Der zufällig hinzuspazierte Autor Rebold Federkiel nimmt sich der merkwürdigen Gesellschaft an und zeichnet ihre jeweiligen Geschichten auf. Erinnert dieser Anfang durch seine Konstruktion der Situation des Erzählens an die Rahmenhandlung eines Novellenbandes, in der innerhalb einer Gesellschaft zum Zeitvertreib Geschichten erzählt werden, so wirkt der Ort des Geschehens wie aus dem Genre der Gothic Novel. Der zunächst um Ruhe bittende Finger macht darauf aufmerksam, dass sich Menschen, Tiere, Dinge und Fantasiewesen „über einem ehemaligen Kirchhofe“ (NL 5) befinden. Doch damit nicht genug – die Tiere eint noch eine viel schauerlichere Begebenheit: Sie sind alle drei tot.

Trippeltritt figuriert hierbei den durch die technische Entwicklung obsolet gewordenen Arbeiter, dem nach einem mühevollen Leben nur Armut und gesellschaftlicher Undank bleibt. In Hukupukl hat der Typus des ewigen Lügners eine tierische Verkörperung gefunden, denn der Affe muss mit der Schuld leben, seinen naiven Enkel Jokopukl durch Geschichten von paradiesischen Zuständen bei den Menschen zu einer Flucht aus dem Urwald animiert zu haben, die in einer zeitweiligen Existenz in Gefangenschaft als Jahrmarktbelustigung ihren Gipfel fand. Die Geschichten dieser beiden Tiere sind fast ohne narrative Brüche ganz im Sinne der sozialistischen Ideologie gestaltet. Dabei werden die jungen Rezipienten einerseits mit der Trübseligkeit der damaligen Lage des Proletariats konfrontiert, wenn der mit der Hervorbringung der Klage der Straßenbahnpferde bei den Menschen beauftragte Hengst nach seiner Rückkehr von erfolgloser Mission resigniert konstatieren muss:

„Verlaßt euch nicht auf die Menschen, Kameraden. Diese zweibeinigen Geschöpfe stecken viel tiefer im Jammer als wir! Die müssen sich [Hervorh. im Orig.] erst aus der Klemme helfen, ehe sie für uns etwas tun können … “ [NL 78]

Andererseits glorifizieren viele Geschichten den Kampfgeist, den die Arbeiterklasse im vereinigten Kampf gegen die herrschende Oberschicht aufbringen muss, um der Zielgruppe die Notwendigkeit politischen Agierens zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse deutlich zu machen. Während im Zwergenland etwa Streik zum Umsturz der Machtverhältnisse führt, ist Jokopukls Heimat durch die Nichtexistenz von Privatbesitz der menschlichen Daseinswelt einen Schritt voraus, doch noch nicht am Ziel des allgemeinen Wohlstandes angelangt. Jokopukl spricht eine Schelte gegenüber der Tatenlosigkeit der Menschen aus:

„Das eine steht jedenfalls fest: wenn ich ein Mensch wäre, würde ich mich gegen alles Unrecht so lange rühren, bis es sich auf der Erde wirklich so schön leben ließ, wie uns der verstorbene Hukupukl bisher vorgeschwindelt [Hervor. im Orig.] hat.“ [NL 116]

Das Gegenteil des gegenüber menschlicher Gewalt und Willkür machtlosen Tieres findet in der Figur des Katers Murr Dyckerpott seine literarische Ausgestaltung, der zu Lebzeiten einem Fabrikbesitzer zulief und immer mehr selbst zum Kapitalisten wurde. Die Darstellung seiner Geschichte ist sowohl etwas ‚sperriger‘ vor dem Hintergrund einer streng sozialistischen Weltanschauung als auch facettenreicher in der Ausgestaltung des Innenlebens und der Handlungsmotive der Charaktere. Obwohl auch die anderen Tiere einem Menschen ihre Geschichte erzählen müssen, hat dieser Bericht bei Murr explizit den Charakter der Lebensbeichte. Als Spukexistenz findet er keine Ruhe, bis er vor einem Menschen Beichte über seine Untaten ablegen kann (vgl. NL 3). Auffällig für ein sozialistisches Kinder- und Jugendbuch ist hier die theologische Metaphorik. Auch wenn Murr keinen Geistlichen aufsuchen muss, so erwartet er doch Absolution durch den Akt des Erzählens vor einem Menschen.

Insbesondere bei ihm wird der Zustand des Verstorbenseins mit Attributen des Todes wiederholt in die Erinnerung des Rezipienten gerufen: Er riecht „stark nach Balsam und Sargholz“ (NL 3) und darf seine Geschichte als Erster erzählen, da er „‚wieder in seinen Sarg zurück muß, noch ehe der Friedhofswärter den Dienst antritt.‘“ (NL 6) Die Heranführung von Kindern an die Weltsicht des Sozialismus erfolgt nach Clara Zetkin „dadurch, daß wir das Kind lehren, allmählich in der Betrachtung der Natur und aller natürlichen Dinge jeden übersinnlichen außerhalb der natürlichen Welt stehenden Einfluß auszumerzen und auszuscheiden“ (Zetkin 1906 [1986] 55). Murrs letztendlich ewige Existenz als Spukgestalt verträgt sich schlecht mit der Theorie des Materialismus. Natürlich ist hier zwischen empirischer Realitätserfahrung in erkenntnistheoretischer Hinsicht einerseits und einer literarisch konstruierten Welt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten zu unterscheiden, doch überrascht es dennoch ein wenig, dass die märchenhafte Form vieler der Texte in Nauckes Luftreise, durch welche der sozialkritische Inhalt unter Umständen bereits eine ästhetische ‚Brechung‘ erfahren kann, noch zusätzlich durch Elemente einer Spukgeschichte gerahmt wird.

Die Erzählung Murr Dyckerpott selbst zeichnet in Nauckes Luftreise ein groteskes Bild kapitalistischer Dekadenz: Bürgerliche Eigentums- und Besitzverhältnisse werden durch das Testament des Fabrikbesitzers Dyckerpott pervertiert, in dem sein Kater zum Erben ernannt wird, dieser bis zu seinem Ableben gepflegt werden muss und das Restvermögen dann dem „‚Stift für verarmte adlige Jungfrauen‘“ (NL 10) vermacht werden soll. Da es fortan nur noch die Gruppe der aus seinem Fortleben Gewinn schlagenden und die diejenige der von seinem Tod profitierenden Menschen gibt, wird Murr so misanthropisch wie sein verstorbener Besitzer. Während die rapide Gewichtszunahme des Katers, der sich der Statur seines Besitzers Dyckerpott angleicht (vgl. NL 9), als Zeichen schwindender Vitalität der Bourgeoisie gelesen werden kann, ist seine zunehmende ‚Vermenschlichung‘ als Prozess der Verrohung dargestellt. Durch Arroganz gegenüber seiner Umwelt verlernt Murr nach und nach tierische Verhaltensweisen, wobei die Affirmation des Kapitalismus als lediglich oberflächliche ‚Veredelung‘ dargestellt wird, als deren unvermeidliche Kehrseite der Sadismus – Murr lässt Hunde vom Diener mit Steinen beschießen und erfreut sich an deren Schmerzen (vgl. NL 13) – auftritt:

Kurz: der Reichtum machte Murr äußerlich [Hervorh. im Orig.] fein, vornehm im Benehmen – aristokratisch, sagte der Diener. […] Murr pfauchte nur noch ganz selten, miaute überhaupt nicht mehr, spazierte aufrecht, steifbeinig und langsam, verlernte das Umherschielen und lauernde Umherkriechen, das ärmere Katzen so unsympathisch macht, und streifte überhaupt all die verhungerten Manieren ab, die andere in Nahrungssorgen lebende Geschöpfe so auffällig an sich tragen. In seinem Denken und Empfinden aber wurde Murr immer eingebildeter, gefühlloser und roher gegen andere, je mehr ihm seine Umgebung schmeichelte. [NL 13]

Die Kopie des menschlichen aufrechten Ganges und der Manieren der Reichen macht den Kater zu einer grotesk überzeichneten Persiflage eines Kapitalisten. In der ersten Illustration zu Murr Dyckerpott ist der übergewichtige Kater zu sehen, der vor der Dyckerpottschen Villa aufrecht stehend mit erhobener Tatze Auftreten, Haltung und Gebärden eines Menschen aus der Oberklasse imitiert:

Götsch_01[Abbildung 1]

Im Gegensatz zu fast allen anderen Vertretern der herrschenden Klasse in Nauckes Luftreise ist Murr jedoch nicht komplett eindimensional negativ dargestellt. An ihm zeigt sich die Einsamkeit und Tristesse der Oberschicht, obwohl die Erzählhaltung natürlich ganz im Sinne sozialistischer Ideologie keinen Zweifel daran lässt, dass es sich hierbei nicht um ein bemitleidenswertes Phänomen handelt. Entsprechende Szenen lassen sich nicht vollkommen unter die literarische Vermittlung der Weisheit, dass Geld allein auch nicht glücklich macht, subsumieren. Murr wird in Ansätzen auch individueller Freiraum zugestanden. So ist der Beginn eines danach häufiger praktizierten, absurden Pseudo-Such-Rituals, das in gewisser Weise Murrs skurrile Antwort auf die Jagd als Oberklassensport ist, noch im Bereich des Authentischen verwurzelt. Murr sehnt sich nach Ruhe und Abstand: „So versteckte er sich einst hinter dem wilden, rankenden Weine der Veranda, um einmal ungestreichelt und ungehütet zu träumen.“ (NL 14)

Die Reue des geplagten Gespenster-Katers über seinen Lebenswandel setzt erst im Jenseits ein und kommt damit im Sinne marxistischer Philosophie eindeutig zu spät. Die auf einer Illustration zu sehende Inschrift auf dem Dyckerpottschen Grabstein, mit welcher Murr Dyckerpott endet, ist nicht nur für die Armen im Text, sondern auch für die jungen Rezipienten nur als Ausdruck des puren Zynismus zu deuten:

Götsch_02[Abbildung 2]

Im letzten epilogartigen Kapitel von Nauckes Luftreise muss Rebold Federkiel als Angeklagter sein Buch Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten vor einem Richter verteidigen, wobei der Großteil der merkwürdigen Gesellschaft vom Anfang des Textes zu seiner Verteidigung als Zeugen auftritt. Als Murr sein vorheriges Leben bereut und sich darüber beklagt, dass ihm keine Ruhe zuteilwerde, wendet sich der Richter lapidar mit dem Hinweis, dass sein Jammern keinen Sinn mehr habe, da es zu spät sei, dem nächsten Zeugen zu (vgl. NL 128). Vergebung ist in Grötzschs Text für Kapitalisten und ehemals kapitalistische Kater nicht vorgesehen. Am Ende steht mit der wilden Verfolgungsjagd aller auf den unverbesserlichen notorischen Lügner Hukupukl bis in die Wüste ein humoristisches Bild, das einen sehr starken Kontrast zur unheimlichen Atmosphäre des Eingangskapitels bildet. Dass auch Murr Dyckerpott mit Ausdauer hinter dem Affen her rennt, zeigt den wahrscheinlich einzigen Vorteil seiner ewigen Existenz als Geist: Er spürt sein Gewicht nicht mehr.

Abbildungen

[Abbildung 1] Aus: Grötzsch, Robert: Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten. Geschichten für Arbeiterkinder. Zeichnerische Ausstattung von Robert Langbein, Dresden. Dresden-A.: Druck und Verlag von Kaden & Comp. o. J. [1908], S 8.

[Abbildung 2] Aus: Grötzsch, Robert: Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten. Geschichten für Arbeiterkinder. Zeichnerische Ausstattung von Robert Langbein, Dresden. Dresden-A.: Druck und Verlag von Kaden & Comp. o. J. [1908], S. 17.

Primärliteratur

Grötzsch, Robert: Nauckes Luftreise und andere Wunderlichkeiten. Geschichten für Arbeiterkinder. Zeichnerische Ausstattung von Robert Langbein, Dresden. Dresden-A.: Druck und Verlag von Kaden & Comp. o. J. [1908]

Sekundärliteratur                   

Altner, Manfred (Hg.): Das proletarische Kinderbuch. Dokumente zur Geschichte der sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur. Dresden: VEB Verlag der Kunst 1988.

Altner, Manfred: Kinder- und Jugendliteratur der Weimarer Republik. Frankfurt a.M./Bern/New York/Paris: Peter Lang 1991 (= Studien zur Germanistik und Anglistik 9).

Altner, Manfred: Sächsische Lebensbilder. Literarische Streifzüge durch die Lößnitz, die Lausitz, Leipzig und Dresden. 1. Auflage. Radebeul: Edition Reintzsch 2001.

Christ, Karl: Sozialdemokratie und Volkserziehung. Die Bedeutung des Mannheimer Parteitags der SPD im Jahre 1906 für die Entwicklung der Bildungspolitik und Pädagogik der deutschen Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Bern: Herbert Lang und Frankfurt a.M.: Peter Lang 1975 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe XI, Pädagogik, Bd. 24).

Kunze, Horst u. Heinz Wegehaupt (Hg.): Spiegel proletarischer Kinder- und Jugendliteratur 1870-1936. 1. Auflage. Berlin – DDR: Der Kinderbuchverlag 1985.

Marquardt, Valentin: Sozialdemokratische Jugendschriftendiskussion um die Jahrhundertwende. Ein Ansatz zur Grundlegung der Erziehung von proletarischen Kindern und Jugendlichen mit Hilfe des Mediums „Literatur“. Bielefeld: B. Kleine Verlag o. J. (= Wissenschaftliche Reihe 28).

Weiß, Johannes u. Jens Wonneberger: Dichter Denker Literaten aus sechs Jahrhunderten in Dresden. 1. Auflage. Dresden: Verlag Die Scheune 1997.

Wild, Reiner (Hg.): Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 1990. [Darin: Eckhardt, Juliane: Imperialismus und Kaiserreich, S. 179-219.]

Wolgast, Heinrich: Das Elend unserer Jugendliteratur. Ein Beitrag zur künstlerischen Erziehung der Jugend. Hg. von Elisabeth Arndt-Wolgast und Walter Flacke. 7. Auflage. Worms: Verlag Ernst Wunderlich o.J.

Zetkin, Clara: Sozialdemokratie und Volkserziehung. [Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Korreferat zum Referat „Sozialdemokratie und Volkserziehung“ auf dem Parteitag der SPD vom 23.-29. September 1906 in Mannheim. Der Lautstand wurde behutsam dem heutigen Sprachgebrauch angeglichen.] In: Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Abgehalten zu Mannheim vom 23. bis 29. September 1906 sowie Bericht über die 4. Frauenkonferenz am 22. u. 23. September 1906 in Mannheim. Berlin: Buchhandlung Vorwärts 1906, S. 347-359. In: Becker, Jürgen (Hg.): Die Diskussion um das Jugendbuch. Ein forschungsgeschichtlicher Überblick von 1890 bis heute. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1986 (= Wege der Forschung 457), S. 47-65.

Zetkin, Clara: Kunst und Proletariat. In: ‚Die Gleichheit‘, 21. Jg., 1910/11, Beilage zu Nr. 8. In: Zetkin, Clara: Über Literatur und Kunst. Zusammengestellt und herausgegeben von Emilia Zetkin-Milowidowa. Berlin: Henschelverlag 1955, S. 100–114.

Zetkin, Clara: Ein Dichter der Revolution. In: ‚Die Gleichheit‘, 1910, Beilage zu Nr. 19, und 1907, Nr. 24. In: Zetkin, Clara: Über Literatur und Kunst. Zusammengestellt und herausgegeben von Emilia Zetkin-Milowidowa. Berlin: Henschelverlag 1955, S. 80–89.


[1] Die Vereinigten Deutschen Prüfungsausschüsse wenden sich auf einer Tagung 1906 gegen „Tendenz im Sinne des absichtlichen Werbens [Hervorh. im Orig.] für einen außerhalb der Kunst liegenden Zweck“ (Wolgast o.J., 283) und stellen klar, dass die Ablehnung von Tendenzliteratur nicht mit der Forderung nach kompletter Neutralität zu verwechseln ist: „Dichtungen, die bei voller Wahrung der Gesetze künstlerischen Gestaltens zugleich eine religiöse, moralische oder patriotische Wirkung [Hervorh. im Orig.] auf den Leser ausüben, sind, sofern sie im übrigen der Aufnahmefähigkeit jugendlicher Leser gerecht werden, als Jugendlektüre unbedingt zu empfehlen.“ (ebd.).

[2] Hier differieren die Angaben in der Sekundärliteratur: Auch Altner sieht 1988 in einer DDR-Publikation zum proletarischen Kinderbuch Der große Krach als erstes sozialistisches Kinderbuch (vgl. Altner 1988, 35; 543), während Kunze/Wegehaupt in ihrer DDR-Publikation zur proletarischen Kinder- und Jugendliteratur Ein Märchentraum. Die Königin der Arbeit beim Feste der Zwerge im Erdschatzreiche (1870) von F. S. Liebisch nennen (vgl. Kunze/Wegehaupt 1985, 17). Altner selbst wiederum schreibt in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1991: „Die bereits vor der Jahrhundertwende beginnende Entwicklung [zu einem Neuansatz des Märchens, Anm. JE] durch Franz Seraph Liebigs ‚Ein Märchentraum‘ (1870) setzte sich über den Dänen Carl Ewald (1856–1908) und Robert Grötzsch (1882–1946) bis zum ersten Weltkrieg und auch danach noch fort.“ (Altner 1991, 184).

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